Beleuchtung als Geschäftsmodell
Innovationswettbewerb für Mittelständler:
Bremerhavener Unternehmen Conled Lichtcontracting
erringt Top-100-Siegel

Von Christian Heske

Bremerhaven. Reeder, die sich an der deutschen Küste ein Schiff bestellen, haben gute Chancen, dass die Beleuchtung der Schiffbauhalle einer Bremerhavener Firma gehört: Zahlreiche Werften zählen zu den Kunden der Conled Lichtcontracting GmbH. Die gehört als erstes Unternehmen aus der Seestadt zu den Gewinnern des Innovationswettbewerbs Top 100 für mittelständische Unternehmen aus Deutschland. „Wir verkaufen Licht“, erläutert Geschäftsführer Jandirk H. Ebel das Geschäftsmodell von Conled, „und unsere Kunden sparen damit wirklich jede Menge Geld.“

Mit seinen Dienstleistungen habe Conled maßgeblich das Lichtcontracting ins Leben gerufen und gehört heute nach eigenen Angaben bundesweit zu den Marktführern. Conled stattet Industriehallen mit modernster LED-Beleuchtung aus, bleibt aber selbst Eigentümer der Anlagen. Für die neue Beleuchtung bezahlen die Kunden zehn Jahre lang eine feste Gebühr, die sogenannte Contractingrate. Im Gegenzug wechselt Conled Leuchten aus, reinigt und wartet die Anlage.

Der Clou dabei: „Die Unternehmen sparen Geld, weil die Contractingrate wesentlich geringer ist als die Einsparung durch die moderne Lichttechnik“, sagt Ebel. Conled garantiert den Kunden nicht nur die vereinbarte Lichtleistung, sondern auch die berechnete Stromeinsparung. „Erfüllen wir das Ziel nicht, kann der Kunde die Contractingrate verringern“, sagt Ebel. Nach Ablauf der zehn Jahre kann der Kunde die Beleuchtungsanlage zu einem vorher festgelegten Preis kaufen oder den Vertrag verlängern. „Wenn ein Unternehmen schon nach fünf Jahren eine Kaufoption haben möchte, arbeiten wir das ebenfalls in die Verträge ein.“
Das Lichtcontracting lohne sich vor allem für Unternehmen, die mit einer Produktion im Zwei- oder Dreischichtsystem arbeiten. „Da läuft die Beleuchtung dann zwischen 12 und 24 Stunden“, erläutert Ebel. Entsprechend schlagen die noch in vielen Betrieben verbauten Stromfresser an den Hallendächern mächtig zu Buche. „Wir haben Unternehmen unter unseren Kunden, die nach Abzug der Contractingrate jetzt 300000 Euro im Jahr sparen.“

Zum Einsatz kommen Leuchten der unterschiedlichsten Hersteller. „Wir sind an einem technischen Labor beteiligt und lassen jede Leuchte überprüfen – 80 Prozent weichen von den Herstellerangaben ab“, sagt Ebel. „Diese Kontrolle ist wichtig, weil wir auch das richtige Lichtbild nach der Arbeitsstättenrichtlinie garantieren.“ Auch Arbeitsplätze würden heute mit einer Lichtfarbe ausgeleuchtet, die dem natürlichen Tageslicht entspricht. „Es gibt viele Studien, die belegen, dass das zu weniger Krankheitsfällen bei den Mitarbeitern führt“, ergänzt Hellena Wiedenroth, Vertriebsleiterin von Conled.

Die 2011 von Ebel gegründete Firma Conled arbeitet mit neun Mitarbeitern in der Seestadt. Von einem sanierten Altbau am Bürgerpark aus kümmert sich das Team um Management, Einkauf, Vertrieb sowie die Licht- und Projektplanung. „Gleichzeitig kooperieren wir mit Firmen in Bremerhaven, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern, so dass uns 78 Monteure und Projektplaner zur Verfügung stehen“, berichtet Ebel.

Die Liste der namhaften Conled-Kunden ist lang: Neben der Lloyd Werft, den Motorenwerken Bremerhaven, der Lürssen-Gruppe, Blohm + Voss in Hamburg sowie den MV Werften gehören die Daimler AG, die Braas Monier Group (Dachziegel) oder metallverarbeitende Betriebe dazu. „Seit diesem Jahr rüsten wir in Österreich und in der Schweiz auch Verpackungs- und Lagerhallen für einen internationalen Pharmakonzern aus“, berichtet Ebel.

 

Als Grundlage der Anlagenplanung tasten die Lichtspezialisten eine Halle mit Hilfe eine 3-D-Scanners ab. „Das Gerät war eigentlich dafür vorgesehen, um in Kirchen kleine Haarrisse zu entdecken – wir haben es umfunktioniert“, erzählt Ebel. Die Aufnahmen des Scanners ermöglichen später virtuelle Fahrten am Computer durch die gesamte Halle.
Montagesystem entwickelt
Um die Beleuchtung in großen Industriehallen mit weniger Aufwand austauschen zu können, habe Conled ein Montagesystem maßgeblich mit entwickelt. „Wir benutzen ein Schienensystem, das vom Boden aus ohne Gerüste an der Decke befestigt werden kann und in das dann die Leuchten von einer Seite aus eingeschoben werden können“, beschreibt Ebel die Neuentwicklung.
In dem wissenschaftlichen Auswahlverfahren des Top-100-Wettbewerbs konnte Conled in der Größenklasse bis 50 Mitarbeiter besonders in den Kategorien „Innovative Prozesse“ und „Innovationsklima“ punkten. „Alle Bereiche setzen sich bei uns zweimal im Monat zusammen, um Ideen zu besprechen, die zu Verbesserungen für die Kunden führen könnten“, sagt Ebel. Jeder Mitarbeiter habe die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge zu machen.

Aktuell verdient Conled sein Geld hauptsächlich mit der Umrüstung alter Industriehallen. „Da gibt es noch jede Menge zu tun“, sagt Ebel. Zugleich konzentriert sich die Firma jedoch bereits auf ein neues Geschäftsfeld: die Neubauplanung. Mittelfristig bieten die Bremerhavener Investoren ein komplettes Outsourcing der Lichtversorgung von Großprojekten an. Wir haben Unternehmen unter unseren Kunden, die nach Abzug der Contractingrate jetzt 300000 Euro im Jahr sparen.

Zum 27. Mal erhielten die innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschland jetzt das von der Compamedia GmbH vergebene Top-100-Siegel. Im vergangenen Jahr zählte die Solartechnikfirma
Ad Fontes aus Bad Bederkesa zu den ausgezeichneten Betrieben. Im Vorfeld müssen die siegreichen Mittelständler ihre Innovationskraft im Rahmen einer unabhängigen wissenschaftlichen Analyse unter Beweis stellen. Wissenschaftlicher Leiter ist Prof. Dr. Nikolaus Franke vom Institut für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Bewerber müssen sich rund 120 Prüfkriterien unterziehen und in fünf Kategorien überzeugen: „Innovationsförderndes Top-Management“, „Innovationsklima“, „Innovative Prozesse und Organisation“, „Open Innovation/Außenorientierung“ sowie „Innovationserfolg“.

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist Mentor des Wettbewerbs. „Den Mittelständlern geht es um die langfristige Zukunftssicherung“, sagt er. „Sie denken Fortschritt eben nicht aus der Perspektive des kurzfristigen Gewinns, vielmehr haben sie die Existenzsicherung des Unternehmens im Blick.“ www.top100.de